| Neuer Science-Artikel

Effekt der Forstwirtschaft auf den Klimawandel ist nicht zwingend positiv

Ein neuer Artikel mit dem Titel „Europe's forest management did not mitigate climate warming“ ist am 5. Februar 2016 in Science erschienen. Die Autoren gehören einem internationalen Forscherteam an, das vom französischen Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement - Institut Pierre Simon Laplace (LSCE/IPSL) geleitet wurde. Co-Autorin Juliane Otto vom Climate Service Center Germany (GERICS) hat am LSCE/IPSL - bevor sie zum GERICS wechselte - an der Studie mitgearbeitet.

Baumwipfel

© iStock/GlobalPics

Die Veröffentlichung zeigt, dass zweieinhalb Jahrhunderte Aufforstung und Forstwirtschaft in Europa keine Verminderung des Klimawandels bewirkt haben. Neben der Holzernte führte die Bevorzugung kommerziell erfolgreicher Arten zu einer massiven Umwandlung von Laubwald in Nadelwald. Dies bewirkte Änderungen im Wasser- und Energieaustausch mit der Atmosphäre, die zur Klimaerwärmung beitrug anstatt sie zu verringern.

Das Autorenteam rekonstruierte Daten zu 260 Jahre historischer Landnutzung in Europa. Dabei verbesserte es ein komplexes Computermodell, um zu berechnen, wieviel Kohlenstoff, Energie und Wasser durch Forstwirtschaft gebunden oder freigesetzt wurde. Damit konnten sie den Effekt der historischen Aufforstung und der Forstwirtschaft auf die Kohlenstoffbilanz und das historische Klima analysieren.

Aufforstung und Forstwirtschaft sind als Schlüsselstrategien für die Verminderung des Klimawandels in der Pariser Vereinbarung innerhalb des United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) identifiziert worden. Beide Strategien haben das Potenzial, die globale Erwärmung zu verlangsamen, da durch sie CO2 aus der Atmosphäre entfernt wird. Dennoch zeigt die neue Studie, dass trotz einer beträchtlichen Zunahme von Waldgebieten und des Einsatzes weitverbreiteter produktionsorientierter Forstwirtschaft seit 1750 die europäischen Wälder keine Netto-CO2-Entnahme aus der Atmosphäre bewirkt haben. Indem natürlichen Wäldern Holz entnommen wurde und diese Wälder bewirtschaftet wurden, haben die Menschen Kohlenstoff in die Atmosphäre entlassen, der sonst in der Biomasse, in Streu, in Totholz und im Waldboden gespeichert war. Kim Naudts: "Sogar gut bewirtschaftete heutige Wälder speichern deutlich weniger Kohlenstoff als ihre natürlichen Gegenstücke um 1750."

Neben der Holzernte bewirkte das Einsetzen von produktionsorientierter Forstwirtschaft durch die Bevorzugung kommerziell erfolgreicher Arten eine massive Umwandlung von Laubwald in Nadelwald. Dies führte zu Änderungen im Wasser- und Energieaustausch mit der Atmosphäre, was zur Klimaerwärmung beitrug, anstatt diese zu verringern. Kim Naudts fasst zusammen: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht alle Strategien der Forstwirtschaft zur Verminderung des Klimawandels beitrugen. Die Schlüsselfrage ist nun: Können wir eine Forstwirtschaftsstrategie entwickeln, die das Klima abkühlt und gleichzeitig die Holzproduktion sowie andere Ökosystemleistungen aufrecht erhält?"


Originalveröffentlichung:

Naudts, K., Chen, Y., McGrath, M.J., Ryder, J., Valade, A., Otto, J., Luyssaert, S.: Europe's forest management did not mitigate climate warming (2016). Science, doi: 10.1126/science.aad7270 Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie

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Dr. Juliane Otto

GERICS - Climate Service Center Germany

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